Dreifaltigkeit? Ein biblischer Impuls am Dreifaltigkeitssonntag

Dreifaltigkeit? Ein biblischer Impuls am Dreifaltigkeitssonntag

5. Juni 2023 Aus Von Pfarrer Tom

In den Lesungen des Dreifaltigkeitssonntags kommt die Dreifaltigkeit selbst nur als Grußformel und Segenswunsch im 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth vor:

Die Gnade des Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen!

2 Kor 13,13

Klar, wirst Du sagen, schließlich hat sich Gott im Ersten Testament noch nicht als dreifaltiger offenbart, darum können die Schriften des Alten Testaments auch nicht von der Dreifaltigkeit sprechen.

Überhaupt ist Dreifaltigkeit ein theologisches Konzept, das erst Jahrhunderte später ausgedacht wurde, werden einige sogar einwenden.

Aber wovon erzählen die Lesungen am Dreifaltigkeitssonntag dann.

Gott in der Wolke steigt zu Mose herab

Sie erzählen von Mose, der Gott bittet, mit seinem Volk Israel zu sein. Es geht um Gemeinschaft, die der Mensch nicht machen kann, die Gott schenken kann und es geht um einen Gott der Gemeinschaft schenken will, weil so glauben wir – er in sich Gemeinschaft ist.

„Der HERR stieg in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn hin“

Ex 34,5

Großartig! Da springt mein Herz voll Freude. Da ist ein Gott, der will dem Menschen so nahe sein, dass er sich neben in hinstellt – wie ein Freund möchte ich sagen. Doch Mose erkennt, es ist Gott und so wirft er sich vor ihm nieder.

Image by Dimitris Vetsikas from Pixabay

In der Wolke – Gott zieht mit seinem Volk in der Wolke. Eine geniale Idee! Warum?

Mose war ja und ist ja nicht der einzige Mensch, der sich wünscht, Gott soll mit ihm sein. Das wünschen sich damals wie heute viele Menschen. Damals haben viele Menschen dieser Sehnsucht dadurch Ausdruck verliehen, dass sie ein Bild von Gott gemacht haben – im Sinne einer Statue. Wir kennen diese Bildnisse bis hin zum Goldenen Kalb. Kaum sind die Israeliten in Sicherheit, gießen sie ein goldenes Kalb um Gott in ihrer Mitte zu haben. Sie wollen Gott in ihre Mitte zwingen – nein, dass will Gott nicht, da ist er stinksauer.

Darum steht in den 10 Geboten auch: Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. In der neuen Einheitsübersetzung heißt es dann: Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.

Mit dem Klick auf den Dienst werden auf Ihrem Endgerät Skripte geladen, personenbezogene Daten erfasst und Cookies gespeichert. Die Übermittlung erfolgt: in gemeinsamer Verantwortung an Google Ireland Limited. Zweck der Verarbeitung: Auslieferung von Inhalten, die von Dritten bereitgestellt werden, Auswahl von Online-Werbung auf anderen Plattformen, die mittels Real-Time-Bidding anhand des Nutzungsverhaltens automatisch ausgewählt werden und Übermittlung und Darstellung von Video-Inhalten. Datenschutzerklärung
PGlmcmFtZSAgc3R5bGU9ImRpc3BsYXk6IGJsb2NrOyBtYXJnaW46IDBweCBhdXRvOyIgIGlkPSJfeXRpZF8zMDMzNSIgIHdpZHRoPSI4NTAiIGhlaWdodD0iNDUwIiAgZGF0YS1vcmlnd2lkdGg9Ijg1MCIgZGF0YS1vcmlnaGVpZ2h0PSI0NTAiICBkYXRhLXJlbHN0b3A9IjEiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS1ub2Nvb2tpZS5jb20vZW1iZWQvNDBGYkZFUlZCSUU/ZW5hYmxlanNhcGk9MSYjMDM4O29yaWdpbj1odHRwczovL3BmYXJyZWJydW5uLmF0JiMwMzg7YXV0b3BsYXk9MCYjMDM4O2NjX2xvYWRfcG9saWN5PTAmIzAzODtjY19sYW5nX3ByZWY9JiMwMzg7aXZfbG9hZF9wb2xpY3k9MSYjMDM4O2xvb3A9MCYjMDM4O21vZGVzdGJyYW5kaW5nPTAmIzAzODtyZWw9MCYjMDM4O2ZzPTEmIzAzODtwbGF5c2lubGluZT0xJiMwMzg7YXV0b2hpZGU9MiYjMDM4O3RoZW1lPWRhcmsmIzAzODtjb2xvcj1yZWQmIzAzODtjb250cm9scz0xJiMwMzg7IiBjbGFzcz0iX195b3V0dWJlX3ByZWZzX18gIG5vLWxhenlsb2FkIiB0aXRsZT0iRHJlaWZhbHRpZ2tlaXRzc29ubnRhZzogRmVzdCBkZXIgR2VtZWluc2NoYWZ0IC0gZWluZSBiaWJsaXNjaGVyIEltcHVscyIgIGFsbG93PSJmdWxsc2NyZWVuOyBhY2NlbGVyb21ldGVyOyBhdXRvcGxheTsgY2xpcGJvYXJkLXdyaXRlOyBlbmNyeXB0ZWQtbWVkaWE7IGd5cm9zY29wZTsgcGljdHVyZS1pbi1waWN0dXJlIiBhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW4gZGF0YS1uby1sYXp5PSIxIiBkYXRhLXNraXBnZm9ybV9hamF4X2ZyYW1lYmpsbD0iIj48L2lmcmFtZT4=

Also Sehnsucht gut, Werk der eigenen Hände schlecht!

Und jetzt betrachten wir die Wolke mal aus dieser Perspektive.

Eine Statue von einer Wolke? Wohnt einer Wolke nicht die Eigenschaft inne, dass sie sich ständig verändert? Auch der brennende Dornbusch lässt sich im übrigen nicht so leicht nachbauen.

Also: Gott schenkt ein sichtbares Zeichen seiner Gegenwart und Gemeinschaft, die Wolke – der Mensch kann sie (nicht nur die Wolke, sondern die Gegenwart und Gemeinschaft Gottes) nicht in ein Bild einfangen. Gott ist mit dem Menschen unterwegs, aber nicht nach dem Willen des Menschen, sondern nach dem Willen Gottes. Und um diese Gemeinschaft zu erhalten, muss der Mensch die Wege Gottes gehen. Gott bindet sich an den Menschen und bleibt darin gerade ungebunden. Wenig später wird das Zelt Gottes zum Zeichen der Gegenwart und Gemeinschaft Gottes mit seinem Volk. Dann vergehen Jahrhunderte – leidvolle Jahrhunderte für Gott und für die Menschen. Aber inmitten des Leids immer wieder Zeichen der unverbrüchlichen Gemeinschaft Gottes mit dem Menschen.

Und dann wird mit Jesus die Gegenwart und Gemeinschaft Gottes mit dem Menschen noch einmal ganz neu. Gott bindet sich auf völlig neue und unseren Verstand überschreitende Weise an den Menschen in seinem Sohn – hypostatische Union nennt das die Theologie: Jesus Christus ist zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott. In Jesus Christus haben Mensch und Gott untrennbare Gemeinschaft: unvermischt und ungetrennt. Aber nicht als Selbstzweck, sondern damit Gott mitten unter uns Menschen wandeln kann, vorleben kann wie er zu uns sein will und wie wir miteinander sein sollen. Mehr noch

In seiner Sprache, die eine Sprache der Beziehung, aber auch eine Sprache einer patriarchalen Kultur ist, nennt Jesus Gott Vater, zärtlicher Abba.

Dreifaltigkeit

Unsere Darstellungen wurden bestimmt von den Versen 9, 13 und 14 des 7. Kapitels des Buches Daniel mitgeprägt. In einer Vision heißt es dort:

Ich sah immer noch hin; da wurden Throne aufgestellt und ein Hochbetagter nahm Platz. Sein Gewand war weiß wie Schnee, sein Haar wie reine Wolle. Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder waren loderndes Feuer.

Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen: Da kam mit den Wolken des Himmels / einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten / und wurde vor ihn geführt.
Ihm wurden Herrschaft, / Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen / dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige, / unvergängliche Herrschaft. / Sein Reich geht niemals unter.

Solch eine Darstellung der Dreifaltigkeit findet sich auch in unserem Hochaltarbild in Brunn am Gebirge.

Theologisch spannender aber finde ich folgende, wie hier bei Maria Krönung dargestellt am Seitenaltar in St. Georg in Gelbersdorf.

Jesus – Jesus und der Heilige Geist.

Das einzige Bild dass wir vom Vater haben ist der Sohn.

„Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ sagt Jesus in Joh 14,9

Man kann das noch einmal mehr übertreiben – wie hier am Hochaltarbild der Kirche des Hl. Zeno in Bad Reichenhall

Natürlich ist auch diese Darstellung fragwürdig – das Verhältnis zwischen Gott und Jesus ist nicht das zwischen Bild und Spiegelbild, sondern besser verständlich als Beziehung zwischen Vater und Sohn, aber wir werden damit leben müssen: Wir wissen zwar, dass wir Gott nicht darstellen können, aber wir haben ein so starkes Bedürfnis, dass wir es trotzdem immer wieder versuchen und immer wieder scheitern – wie menschlich?

Und die Eucharistie, die wir am Fronleichnamsfest in besonderer Weise feiern werden, ist letztendlich auch ein Zeichen der bleibenden Gegenwart und Gemeinschaft Gottes mit uns.

Dreifaltigkeitssonntag ist das Fest der bleibenden Gemeinschaft Gottes mit uns – Dreifaltigkeit = ein Gott, der in sich bereits Gemeinschaft ist.

Gott in uns, das ist der Heilige Geist, denn wir sind der Tempel Gottes.

Zu Pfingsten habe ich über die Wirkung des Heiligen Geistes auch in einem Bild gesprochen, in dem es auch ganz stark darum geht, dass der Heilige Geist mit uns unterwegs sein will. (kann man sich da anschauen)

Ich möchte, auch passend zu Brunn am Gebirge mit einer Weinstockmeditation schließen. In Joh 15 verwendet Jesus das Bild vom Weinstock um die innige Gemeinschaft mit seinen Jüngern darzustellen, eine Gemeinschaft die zwingend notwendig zum Frucht bringen der Jünger ist. Nicht nur will Gott Gemeinschaft mit uns, ohne sie geht gar nichts.

In Jesu Bild im 15. Kapitel des Johannesevangeliums ist der Vater der Winzer – die folgende Meditation weicht davon ab. Kant hat gesagt, dass bei einer Analogie die Unähnlichkeit größer ist als die Ähnlichkeit – will heißen: Ich weiß um die Mängel der Meditation, wie die Mängel bei den Darstellungen gegeben waren, aber sie hilft mir trotzdem:

Zum Weinstock gehört die Wurzel. Sie ist meistens in der Erde verborgen. Von der Wurzel wissen wir durch den Weinstock selbst, der ohne die Wurzel nicht sein kann. Auch die Rebzweige haben nur vermittelt durch den Weinstock Gemeinschaft mit der Wurzel. Und durch die Wurzel und den Weinstock fließt der Saft in die Rebzweige, die Frucht bringen.

Der Vater ist der verborgene Ursprung, die Wurzel.

Der Sohn ist das Offenbarwerden des Ursprungs im Weinstock.

Und der Heilige Geist ist der Saft der durch die Wurzel und den Weinstock bis in die Rebzweige fließt.

Durch Jesus Christus sind wir in die göttliche Gemeinschaft, zu der wir Dreifaltigkeit sagen, mit hinein genommen.