Fastenzeit und Gericht

Fastenzeit und Gericht

3. März 2022 Aus Von Pfarrer Tom

Meine Lieben!

Vielleicht geht’s euch ja so wie mir und ihr wollt die Fastenzeit nutzen, um Winterspeck loszuwerden und wieder fitter zu werden. Gleichzeitig berühren mich die Gerichtswarnungen des Alten Testaments kaum noch, weil meine Lebenswirklichkeit eine andere ist, als die der Menschen des Ersten Testaments und weil mein Gottesbild ein anderes scheint. Ein Prophet wie Jona der auftreten würde und schreien würde: “Kehrt um das Gericht ist nahe” hätte bei mir nicht viel Chancen und so besteht immer die Gefahr, die 40 Tage zu vergeuden. Dieses Jahr über ein Zitat gestolpert, das Scheich Rashid zugesprochen wird: “Harte Zeiten bringen starke Männer hervor, starke Männer sorgen für gute Zeiten, gute Zeiten bringen schwache Männer hervor schwache Männer sorgen für harte Zeiten”.

Ich überlasse es Eurem Blick in die Geschichte für wie zutreffend ihr das Zitat haltet. Mir hilft es, die Gerichtsanddrohungen gottes nue zu verstehen. Sie sind eine Warnung Gottes an mich, der zugeben muss, wenn es gut läuft, werde ich bequem und reiße mich nicht so zusammen und das kann dazu führen, dass das auch das, was ich mir mühsam erarbeitet habe, selber wieder auf Spiel setze.

Ein dramatischer Tag des Gerichts in meinem Leben

Ein Tag des Gerichts könnte z.B. ein Tag sein, an dem ich nach langem wieder Sport treibe – vielleicht auch noch ohne mich aufzuwärmen, und mir prompt eine Sportverletzung zuziehe eine Sehnenzerrung oder ähnliches. Das wäre für mich so ein Gerichtsfall, weil ich mich nicht zusammengerissen habe und regelmäßig trainiert habe.

Fastenzeit als künstliche harte Zeit

Gott will solche Tage des Gerichts nicht für mich und deswegen ermuntert er mich auch durch dramatische Bilder des Alten Testaments mich zusammenzureißen. Die Fastenzeit ist eine künstlich herbeigeführte “harte Zeit” damit ich mich zu meinem bestem zusammenreiße, mich körperlich ertüchtige auch dadurch dass ich faste: Durch den Verzicht auf Facebook und andere moderne Ablenkungsmöglichkeiten. Diese harten Zeiten bringen dann hoffentlich auch in mir Neues, Starkes hervor, was wiederum dazu führt, dass ich mich nachher wieder über gute Zeiten freuen darf.

Fastenzeit ist auch eine Selbstabhärtung der anderen Art: Auf Fleisch auf Süßigkeiten auf Zucker auf Alkohol und alles andere zu verzichten um sich in dieser harten Zeit von Gott gleichsam neue schmieden zu lassen, oder vom Leben neu schmieden zu lassen um dann wacher, kräftiger, konzentrierter, und besonnener wieder ans Werk zu gehen und sich dadurch länger über das freuen zu können, was man schon erreicht hat, das Gute, für das man schon gekämpft hat.

Die Dynamik der Welt bestraft bequemes Verhalten und Gott, der die Dynamiken der Welt kennt, will uns davor bewahren. Eine christliche Fastenzeit unterscheidet sich noch einmal von einem “reinen” Fasten dadurch, dass die Richtung auf Gott und seine Gebote verweist. Fasten ist nicht Selbstzweck, sondern öffnet für den anderen – auch zu meinem Nutzen, aber nicht mit diesem Zweck allein. ich möchte für den Frieden in der Ukraine mein Fastenopfer bringen.

Ich wünsche dir auch eine gute Fastenzeit mit guten Fastenvorsätzen und vor allem, dass Du dabei Gott, der im verborgen ist, ist in den Blick nehmen kannst, ihn suchst und vielleicht auch findest,

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